Handschriften

Paläographische Forschung in der Handschriftenkammer

Auf Initiative des Stiftes Heiligenkreuz werden seit 2010 die romanischen Handschriften des Stiftes durch Alois Haidinger und Franz Lackner (pensionierte Mitarbeiter der Österreichischen Akademie der Wissenschaften) neu beschrieben und einer genauen Analyse von Schrift und Buchschmuck unterzogen. Darüberhinaus werden auch die frühen Handschriften des Stiftes Zwettl erforscht, um Aufschlüsse über die Beziehungen zwischen dem seit 1133 bestehenden Kloster Heiligenkreuz und seiner bereits 1138 erfolgten Tochtergründung Zwettl zu gewinnen. Die Ergebnisse des Unternehmens, das sich als Beitrag zur Zisterzienserforschung versteht, werden laufend über die Website www.scriptoria.at veröffentlicht.
Eine auf die Zeit des ersten Heiligenkreuzer Abtes beschränkte Publikation erschien 2015: Alois Haidinger, Franz Lackner, Die Bibliothek und das Skriptorium des Stiftes Heiligenkreuz unter Abt Gottschalk (1134/1147) (Codices manuscripti & impressi. Suplementum 11), Purkersdorf 2015. In der genannten Veröffentlichung werden die Handschriften aus dem Zeitraum 1134/1147 neu beschrieben und eine mit zahlreichen Abbildungen versehene Untersuchung zur Frühzeit des Skriptoriums (Schreibschule) in Heiligenkreuz präsentiert.
Um die Existenz der Website www.scriptoria.at langfristig abzusichern, wird sie seit kurzem im Rahmen des Angebots der Phil.-Theol. Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz betrieben. Um die Erforschung des Heiligenkreuzer Handschriftenbestandes zu erleichtern, werden neben rund 4500 Abbildungen aus über 400 Manuskripten der Zisterzen Heiligenkreuz und Zwettl sukzessive auch Digitalisate Heiligenkreuzer Manuskripte des 12. Jahrhunderts über scriptoria.at zugänglich gemacht.

 

Handschriftenkammer in Heiligenkreuz
Sammlung Stift Heiligenkreuz + Stift Neukloster

Die Stiftsbibliothek Heiligenkreuz verwahrt heute zwei getrennt aufgestellte Sammlungen von Handschriften, die sich durch ihre Geschichte und ihren Umfang beträchtlich unterscheiden: diejenige des Stiftes Heiligenkreuz selbst und diejenige des 1444 von Friedrich III. gegründeten und 1881 mit Heiligenkreuz vereinigten Stiftes Neukloster in Wiener Neustadt, die zu einem guten Teil barocker Sammeltätigkeit geschuldet ist.

Bis zur Erfindung des Buchdruckes um die Mitte des 15. Jahrhunderts konnten Texte nur in handschriftlicher Form – zunächst nur auf Pergament, ab dem 14. Jahrhundert im steigenden Maße aber auf Papier – festgehalten und überliefert werden. Handschriften stellen damit die einzigen Überlieferungsträger dar, die es uns heute ermöglichen, die Geschichte der christlichen und paganen Literatur – und damit der Geistesgeschichte und Wissenschaftspflege seit der Antike zu überblicken und zu erforschen.

 

Die Heiligenkreuzer Sammlung

Die mehr als dreihundert heute noch an Ort und Stelle erhaltenen mittelalterlichen Handschriften der Stiftsbibliothek Heiligenkreuz stellen ein beredtes Zeugnis für die Schreibtätigkeit der Heiligenkreuzer Mönche dar. Schon kurz nach der Gründung des Klosters um 1133 waren, wie man anhand der aus dieser Zeit erhaltenen Manuskripte feststellen kann, hochqualifizierte Schreibkräfte am Werk, die für die Herstellung der erforderlichen liturgischen Bücher und die Abschriften der für die theologischen und kirchenrechtlichen Studien notwendigen Texte, aber auch, wenngleich in geringem Ausmaß, von nichttheologischen Werken sorgten. Mit den Schreibern – mit ihren Namen sind Heinricus, Hieronymus und Udalricus aus dem 12. Jh. bekannt – arbeiteten sehr häufig auch Illuminatoren zusammen, die die Bücher künstlerisch ausstatteten. In den auf die Anfänge folgenden Jahrhunderten erfolgt die Vermehrung des Buchbestandes nicht alleine durch die klostereigene Kopiertätigkeit sondern auch durch Erwerbungen von außerhalb, unter anderem auch im Zuge Ausbildung der Mönche in den Ordensstudien an den mittelalterlichen europäischen Universitäten.

Autoren aus dem Stift Heiligenkreuz
Hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang Codices mit Werken von Heiligenkreuzer Mönchen des 13. und beginnenden 14. Jahrhunderts wie Heinrich von Schüttenhofen, Gutolf von Heiligenkreuz und Nikolaus Vischel, die zu den bedeutendsten Autoren dieses Zeitraumes in Österreich zählen.
Von Interesse sind auch die zahlreichen Glossen und Annotate, von der Hand des Ambrosius von Heiligenkreuz OCist  aus der Zeit der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert, die sich in vielen Handschriften finden.

Inkunabeln
Mit der Erfindung des Buchdruckes änderte sich auch der inhaltliche Charakter der Manuskripte. An die Stelle der Texte des mittelalterlichen monastischen Lektüre- und Studienkanons treten nun z. B. Vorlesungsmitschriften der Studenten, vor allem aber unikal überlieferte Texte, darunter vielfach Arbeiten unterschiedlicher Art von Klosterangehörigen.

Die erhaltenen mittelalterlichen Codices der Stiftsbibliothek lassen trotz allen Verlusten in späterer Zeit erkennen, wie, wann und welche theologischen, philosophischen und sonstigen literarischen Strömungen in Heiligenkreuz rezipiert wurden, und erlauben so eine Einordnung des Klosters in die Landschaft der geistigen Kultur und Wissenschaftspflege des mittelalterlichen Österreich.

Verkaufte Inkunabeln aus Stift Heiligenkreuz

Digitalisierte Handschriften werden derzeit laufend unter der Signatur online (auf www. scriptoria.at) gestellt

Digitalisierte Handschriften der Stiftsbibliothek Heiligenkreuz

Urkunden – Heiligenkreuz

Beschreibungen der Handschriften des 3. Viertels des 12. Jahrhunderts nach der Zeit des Abtes Gottschalk finden sich auf www.scriptoria.at unter Beschreibungen (Ausführung: Alois Haidinger + Franz Lackner)