Handschriften

Die Handschriftensammlungen der Stifte Heiligenkreuz und Neukloster

Die Stiftsbibliothek Heiligenkreuz verwahrt heute zwei getrennt aufgestellte Sammlungen von Handschriften, die sich durch ihre Geschichte und ihren Umfang beträchtlich unterscheiden: diejenige des Stiftes Heiligenkreuz selbst und diejenige des 1444 von Friedrich III. gegründeten und 1881 mit Heiligenkreuz vereinigten Stiftes Neukloster in Wiener Neustadt, die zu einem guten Teil barocker Sammeltätigkeit geschuldet ist.

Bis zur Erfindung des Buchdruckes um die Mitte des 15. Jahrhunderts konnten Texte nur in handschriftlicher Form – zunächst nur auf Pergament, ab dem 14. Jahrhundert im steigenden Maße aber auf Papier – festgehalten und überliefert werden. Handschriften stellen damit die einzigen Überlieferungsträger dar, die es uns heute ermöglichen, die Geschichte der christlichen und paganen Literatur – und damit der Geistesgeschichte und Wissenschaftspflege seit der Antike zu überblicken und zu erforschen.

Die Heiligenkreuzer Sammlung

Die mehr als dreihundert heute noch an Ort und Stelle erhaltenen mittelalterlichen Handschriften der Stiftsbibliothek Heiligenkreuz stellen ein beredtes Zeugnis für die Schreibtätigkeit der Heiligenkreuzer Mönche dar. Schon kurz nach der Gründung des Klosters um 1133 waren, wie man anhand der aus dieser Zeit erhaltenen Manuskripte feststellen kann, hochqualifizierte Schreibkräfte am Werk, die für die Herstellung der erforderlichen liturgischen Bücher und die Abschriften der für die theologischen und kirchenrechtlichen Studien notwendigen Texte, aber auch, wenngleich in geringem Ausmaß, von nichttheologischen Werken sorgten. Mit den Schreibern – mit ihren Namen sind Heinricus, Hieronymus und Udalricus aus dem 12. Jh. bekannt – arbeiteten sehr häufig auch Illuminatoren zusammen, die die Bücher künstlerisch ausstatteten. In den auf die Anfänge folgenden Jahrhunderten erfolgt die Vermehrung des Buchbestandes nicht alleine durch die klostereigene Kopiertätigkeit sondern auch durch Erwerbungen von außerhalb, unter anderem auch im Zuge Ausbildung der Mönche in den Ordensstudien an den mittelalterlichen europäischen Universitäten.

Autoren aus dem Stift Heiligenkreuz
Hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang Codices mit Werken von Heiligenkreuzer Mönchen des 13. und beginnenden 14. Jahrhunderts wie Heinrich von Schüttenhofen, Gutolf von Heiligenkreuz und Nikolaus Vischel, die zu den bedeutendsten Autoren dieses Zeitraumes in Österreich zählen.
Von Interesse sind auch die zahlreichen Glossen und Annotate, von der Hand des Ambrosius von Heiligenkreuz OCist  aus der Zeit der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert, die sich in vielen Handschriften finden.

Inkunabeln
Mit der Erfindung des Buchdruckes änderte sich auch der inhaltliche Charakter der Manuskripte. An die Stelle der Texte des mittelalterlichen monastischen Lektüre- und Studienkanons treten nun z. B. Vorlesungsmitschriften der Studenten, vor allem aber unikal überlieferte Texte, darunter vielfach Arbeiten unterschiedlicher Art von Klosterangehörigen.

Die erhaltenen mittelalterlichen Codices der Stiftsbibliothek lassen trotz allen Verlusten in späterer Zeit erkennen, wie, wann und welche theologischen, philosophischen und sonstigen literarischen Strömungen in Heiligenkreuz rezipiert wurden, und erlauben so eine Einordnung des Klosters in die Landschaft der geistigen Kultur und Wissenschaftspflege des mittelalterlichen Österreich.

Digitalisierte Handschriften der Stiftsbibliothek Heiligenkreuz